Überblick des Gesetzesentwurfs zur Gas- und Strompreisbremse der Bundesregierung

Die hohen Energiepreise bedingt durch die Energiekrise belasten Unternehmen derzeit enorm. Um Unternehmen und private Haushalte in der Krise zu unterstützen, hat die Bundesregierung seit dem Frühjahr bereits drei umfangreiche Entlastungspakete in Höhe von 95 Milliarden Euro geschnürt sowie einen Abwehrschirm von 200 Milliarden aufgespannt. Zusammen genommen wurde damit vom Staat ein Budget von knapp 300 Milliarden Euro als Unterstützungsleistungen bereitgestellt.

Auch wenn der Staat nicht jede Preissteigerung vermeiden kann, versucht er mit großen Anstrengungen den finanziellen Druck von der Wirtschaft zu nehmen, um Existenzen und Arbeitsplätze zu sichern. Über den Abwehrschirm werden die steigenden Energiekosten gedämpft und damit die Energiepreise für alle in Deutschland pauschal begrenzt. Für besonders schwere Fälle stehen Fonds zur Verfügung. Bis zur Einführung der Gas- und Strompreisbremsen soll die Soforthilfe Dezember für eine Überbrückung sorgen.

Im folgenden Beitrag haben wir Ihnen eine Übersicht der geplanten Maßnahmen und die damit verbundenen Anforderungen zusammengestellt.

1. Gaspreisbremse (für Gas und Wärme)

Für Unternehmen mit einem Gasverbrauch unter 1,5 Mio. kWh im Jahr soll der Gaspreis von März 2023 bis April 2024 auf 12 Cent brutto pro Kilowattstunde begrenzt werden, für bis zu 80 Prozent des Jahresverbrauchs des Vorjahrs.

Im März werden rückwirkend auch die Entlastungsbeträge für Januar und Februar 2023 angerechnet. Damit sind kleine und mittlere Unternehmen für das gesamte Jahr 2023 und bis ins Frühjahr 2024 hinein vor sehr starken Preisanstiegen geschützt.

Die befristete Gaspreisbremse soll ab Januar 2023 auch der von hohen Preisen betroffenen Industrie und Unternehmen mit einem Gasverbrauch von mehr als 1,5 Mio. kWh helfen. Diese erhalten 70 Prozent ihres Gasverbrauchs, bezogen auf ihren Verbrauch im Jahr 2021, zu einem garantierten Netto-Arbeitspreis von 7 ct/kWh.

Wärmekunden erhalten 70 Prozent ihres Verbrauchs, der dem September-Abschlag 2022 zugrunde liegt, zu einem garantierten Arbeitspreis von 7,5 ct/kWh. Fernwärmekunden erhalten ebenfalls 80 Prozent ihres prognostizierten Verbrauchs zu einem garantierten Bruttoarbeitspreis von 9,5 ct/kWh. Für Verbräuche oberhalb dieser Kontingente gilt jeweils der vertraglich vereinbarte Preis.

1.1 Funktionsweise der Gas- und Wärmepreisbremse

Mit der Gas- und Wärmepreisbremse wird ein Anteil des bisherigen Verbrauchs subventioniert. D. h. Unternehmen sparen im Vergleich zu den extrem hohen Energiekosten, die durch die hohen neuen oder angepassten Vertragspreise entstehen. Für jede Kilowattstunde Gas oder Wärme über den subventionierten Anteil hinaus muss der aktuell hohe Preis aus dem Versorgungsvertrag gezahlt werden. Hat man weniger verbraucht, wird für jede Kilowattstunde Gaseinsparung zum neuen hohen Vertragspreis pro Kilowattstunde gespart, auch wenn man mehr als 20 Prozent bzw., 30 Prozent eingespart hat. Somit ist der Einsparanreiz besonders hoch und man kann bei der jährlichen Abrechnung Geld zurückerstattet bekommen.

Wie groß die Entlastung ist, hängt davon ab

  • wie viel Gas und Wärme man bisher verbraucht hat,
  • wie viel man dieses Jahr verbraucht, wie hoch der Preis im Vertrag ist.

Die Gaspreisbremse senkt direkt die monatliche Gasrechnung. Im Normalfall berechnet sich der Abschlag auf Basis des bisherigen Gasverbrauchs. Jeden Monat bezahlt man für ein Zwölftel des prognostizierten Jahresverbrauchs. Mit der Gaspreisbremse werden dann 80 Prozent des Verbrauchs zu 12 ct/kWh abgerechnet. Bzw. 70 Prozent des Verbrauchs zu 7 ct/kWh bei Industrie und Unternehmen mit einem Gasverbrauch von mehr als 1,5 Mio. kWh. Auf der Jahresabrechnung wird dann wie jedes Jahr der tatsächliche Verbrauch abgerechnet. Dabei gilt: Die Entlastung bleibt bei den Energieverbrauchern.

1.2 Besondere Hinweise für die Industrie

Auch für die Industrie sollen die Gas- und Wärmepreise substanziell gesenkt werden. Dies erfolgt so nah an den Vorschlägen der Gas-Kommission, wie es unter Beachtung des europäischen Beihilferechtes möglich ist.

Bundesweit greift die industrielle Gas- und Wärmepreisbremse für etwa 25.000 Unternehmen. Die Preisbremse soll auf die energetische und die stoffliche Nutzung des Gases angewendet werden, also unabhängig davon, wie das Gas im Unternehmen verwendet wird. Die teilnehmenden Unternehmen melden dies beim Energieversorger an, die Meldung wird öffentlich bekannt gemacht.

Stromerzeugungskraftwerke sind von dieser Regelung ausgeschlossen, um die Gasverstromung nicht zu subventionieren.

Hier finden Sie den vollständigen Referententwurf zur Gaspreisbremse

2. Strompreisbremse

Die Strompreisbremse soll ebenfalls vom 1. März 2023 bis 30. April 2024 gelten, auch hier werden im März rückwirkend die Entlastungsbeträge für Januar und Februar 2023 angerechnet. Der Strompreis für kleine und mittlere Unternehmen mit einem Stromverbrauch von bis zu 30 000 kWh pro Jahr wird bei 40 ct/kWh brutto, also inklusive aller Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte, begrenzt. Dies gilt für den Basisbedarf von 80 Prozent des prognostizierten Verbrauchs. Die Differenz zum Vertragspreis wird übernommen. Für Verbräuche oberhalb dieses „Basis-Kontingents“ wird der volle vertraglich vereinbarte Preis fällig.

Industrie und Unternehmen mit einem Stromverbrauch von mehr als 30 000 kWh im Jahr erhalten 70 Prozent ihres bisherigen Stromverbrauchs zu einem garantierten Netto-Arbeitspreis von 13 ct/kWh. Steuern, Abgaben und Umlagen fallen zusätzlich an. Da nur für 70 Prozent des Verbrauchs der Preis begrenzt wird, bleibt für Unternehmen und Industrie ein starker Anreiz, Strom einzusparen. Denn für jede Kilowattstunde, die zusätzlich verbraucht wird, gilt der neue, hohe Marktpreis für Strom.

Der bisherige Stromverbrauch entspricht entweder dem durch die Netzbetreiber prognostizierten Verbrauch oder dem Verbrauch des Jahres 2021. Für neue Entnahmestellen gibt es eine Schätzregel.

Hinzu kommen Härtefall-Regelungen für Unternehmen, die durch die steigenden Energiepreise in besonderer Weise betroffen sind. Erhalten einzelne Unternehmen insgesamt hohe Förderbeträge, müssen beihilferechtliche Vorgaben eingehalten werden.

2.1 Funktionsweise der Strompreisbremse

Die Strompreisbremse funktioniert im gleichen Prinzip wie die Gaspreisbremse.

Wie groß die Entlastung ist, hängt davon ab

  • wie viel Strom man bisher verbraucht hat
  • wie viel man dieses Jahr verbraucht,
  • wie hoch der Preis im Vertrag ist.

Die Strompreisbremse senkt direkt die monatliche Stromrechnung. Im Normalfall berechnet sich der Abschlag auf Basis des bisherigen Stromverbrauchs, jeden Monat bezahlt man für ein Zwölftel des Jahresverbrauchs. Mit der Strompreisbremse werden dann 80 Prozent dieses Verbrauchs zu 40 ct/kWh bzw. 70 Prozent zu 13 ct/kWh bei Industrie und Unternehmen mit einem Stromverbrauch von mehr als 30 000 kWh im Jahr abgerechnet.

2.2 Besondere Hinweise für die Industrie – Vereinbarkeit mit dem europäischen Beihilferecht

Die Preisbremsen für die Industrie sind so pauschal ausgestaltet, wie es das europäische Beihilferecht zulässt. Der Temporary Crisis Framework der Europäischen Kommission (TCF) sieht besondere Regelungen für die Entlastung von größeren Unternehmen vor, die insgesamt um mehr als 2 Mio. Euro je Unternehmensverbund entlastet werden. Für die Landwirtschaft und die Fischerei gelten niedrigere Schwellenwerte.

Für die besonders großen industriellen Verbraucher mit einer Gesamtentlastung von mehr als 4 Mio., 50 Mio., 100 Mio. und bis zu 150 Mio. Euro gelten unterschiedliche Regelungen abhängig vom Gewinnrückgang des Unternehmens, der Einordnung als energieintensiver Betrieb oder der Energie- und Handelsintensität der jeweiligen Branche. Für Förderungen ab einer Höhe von 150 Mio. Euro sind Einzelnotifizierungen bei der Europäischen Kommission erforderlich.

Hier finden Sie den vollständigen Referentenentwurf zur Strompreisbremse

4. Höchstgrenzen der Entlastungsbeträge

Die Höhe der Entlastungen ist sowohl bei der Gas- und Wärmepreisbremse als auch bei der Strompreisbremse gedeckelt, dabei reichen die Höchstgrenzen von 250.000 €/Jahr bis zu 150 Mio. €/Jahr. Für die oberen Höchstgrenzen muss im Rahmen eines neuen Antragsverfahrens insb. der Status der „Besonderen Betroffenheit“ festgestellt werden. Für energieintensive Unternehmen wird das neue Antragsverfahren zur Pflicht. Für konkretere Regelungen zum Antragsverfahren müssen sich Unternehmen bis zum Erscheinen einer entsprechenden Verordnung gedulden. Auch die zuständige Behörde wird erst zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt.

Gerne prüfen wir für Sie die Entlastungshöhe und unterstützen Sie bei der Antragsstellung. Kontaktieren Sie uns schnell und einfach online oder telefonisch. Sie können auch ganz unkompliziert einen Online-Termin buchen.

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Energiebeschaffung in der Krise – Was Sie jetzt tun können

Die aktuelle Energiekrise in Deutschland ist von vielen Unsicherheiten und damit wirtschaftlichen Risiken für Unternehmen und Industrie nahezu aller Branchen geprägt. Die extremen Preissteigerungen und hohen Volatilitäten an den Energiemärkten bewirken selbst bei einem geringen Energieverbrauch erhebliche Kostenschwankungen und führen zu Problemen bei der Energiebeschaffung. Das hat zur Folge, dass es auch zu deutlichen Steigerungen des Kapitalbedarfs und des Liquiditätsrisikos aus den Produktions- und Lieferketten kommt. Des Weiteren steht die Wirtschaft einer Verschärfung des Marktpreisrisikos für Energie und damit für die Margen gegenüber. Somit stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, trotz großer Planungsunsicherheiten ihre Energielieferung für das kommende Jahr und darüber hinaus zu sichern. Dabei stoßen nicht wenige Unternehmen auf das Problem, gar keinen Energielieferanten zu finden.

Im folgenden Beitrag möchten wir Ihnen aufzeigen, wie Sie die aktuellen Herausforderungen zur Energiebeschaffung meistern können und Ihre Beschaffungsstrategie auf die aktuelle Situation anpassen können.

Welche Herausforderungen gibt es derzeit bei der Energiebeschaffung?

Neben den Energiekonsumenten haben vor allem auch Energieversorger und -lieferanten mit den Auswirkungen der Preisanstiege bedingt durch den Russland-Ukraine-Konflikt zu kämpfen. Durch die sehr hohen Energiepreise ergeben sich für Energieversorger erhebliche Liquiditäts- und Kontrahentenrisiken, die schwierig zu steuern sind. Zusätzlich gibt es viele regulatorische Veränderungen am Energiemarkt und Unterstützungen vom Bund, die bislang noch nicht vollumfänglich absehbar sind, was zu Herausforderungen im Management von Volumen- und Preisrisiken bei den Energieversorgern führt. Für viele Energieversorger sind diese Risiken so hoch, dass sie keinerlei Festpreisverträge für Neukunden mehr anbieten oder schlichtweg Anschlussverträge kündigen. Darüber hinaus wäre es für viele Unternehmen kaum tragbar, Festpreisverträge zu den aktuellen Marktpreisen abzuschließen.

Auch stark schwankenden Energiepreise erschweren es Unternehmen, einen möglichst klaren Lieferantenvergleich vorzunehmen.

Wie kann die Energiebeschaffung jetzt noch gesichert werden?

Während der Bund weiterhin dazu aufruft, Energieverbräuche einzusparen und Energieeffizienz fördert, müssen Unternehmen insbesondere ihre Energiebeschaffung optimieren. Es gilt, die Beschaffungsstrategien dahingehend anzupassen, dass sie flexibler und krisenfester werden und somit auch trotz der neuen Rahmenbedingungen an den Energiemärkten funktionieren.

Spotpreisverträge bieten sich derzeit an, um die Energiekrise vorzeitig zu überbrücken. Eine Energiebeschaffung am Spotmarkt bietet Unternehmen die Chance, sich den schwankenden Preisen zu bedienen und flexibler auf die Anforderungen am Energiemarkt zu reagieren.

Für größere Volumen ist eine strukturierte Beschaffung von Teilmengen und ein professionelles Portfoliomanagement der risikoärmste Weg. Beide Optionen sind jedoch komplexer als die altbewährten Fixpreisverträge über mehrere Jahre und benötigen ein professionelles Energiemanagement, entsprechende Systeme und operative Prozesse.

Um eine geeignete Beschaffungsstrategie zu finden, müssen Unternehmen sich einer Vielzahl von Faktoren bewusst werden. Wie zum Beispiel der Kostenstabilität, der Absicherung von Margen und die Risikobereitschaft für die Preissicherung bzw. -fixierung oder die Bereitschaft für ein aktives Preismanagement. Darauf basierend kann mit einer gezielten Beschaffungsstrategie der Einkauf benötigter Energiemengen in Tranchen erfolgen und ergänzend Teilmengen über den Spotmarkt beschafft werden. Die Energiebeschaffung ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor für jedes Unternehmen, besonders in Krisenzeit und bedarf einer klaren Handlungslinie.

Was passiert, wenn kein Energielieferant gefunden wird?

Während private Haushalte und kleine Unternehmen Anspruch auf Ersatz durch den Grundversorger haben, trifft dies für mittlere und größere Unternehmen nicht zu. Gerade im Hinblick, dass Energieversorger derzeit keine Angebote für die Belieferung mit Strom und Gas mehr machen können, ist die Sicherstellung der Energiebeschaffung ein dringliches und ernst zu nehmendes Problem. Viele Unternehmen geben sich deshalb mit dem ersten Angebot zufrieden, doch auch die Versorger kennen die Situation der Kunden und reagieren mit zum Teil extremen Preisaufschlägen.

DIHK-Präsident Peter Adrian warnte bereits in einem Tagesschau-Artikel: „Quer durch die Branchen erreichen uns täglich Hilferufe von Unternehmen, die für das kommende Jahr keinen Energieversorgungsvertrag mehr bekommen. Wenn hier keine Lösung gefunden wird, stehen zum Jahreswechsel Teile unserer Wirtschaft still.“ Weiterhin plädiert er dafür, dass auch für Unternehmen und Betriebe eine Ersatzversorgung bereitgestellt wird.

Wir bringen Sie sicher durch die Energiekrise.

Um die vielfältigen Herausforderungen der Energiekrise zu bewältigen, die insbesondere Industrie und mittelständische Unternehmen betreffen, ist eine strategische Anpassung und Optimierung des Energiemanagements und der Energiebeschaffung notwendig. Wichtig für eine erfolgreiche Beschaffungsstrategie ist der Zugang zu aktuellen Informationen und den Entwicklungen an den Energiemärkten. Auch das professionelle Risikomanagement ist unabdingbar, um den Unternehmenserfolg dauerhaft zu sichern und eine Insolvenz in der Energiekrise zu vermeiden. Immer wichtiger werden außerdem Nachhaltigkeitsanforderungen an die Strom- und Gaslieferung, was die Beschaffungssituation z.B. durch PPA (Power Purchase Agreements) noch komplexer macht. In welcher Konstellation aus immer, Steuerbarkeit über ein transparentes Reporting, klare Kennzahlen und fortlaufende technische wie fundamentale Analysen sowie eine regelmäßige Überprüfung der Handlungsoptionen sind Grundlagen für eine risikooptimierte Energiebeschaffung.

Das Team von EK360 verfügt über jahrelange Erfahrung bei der Energiebeschaffung und dem Energiemanagement von mittleren bis sehr großen Unternehmen. Gemeinsam mit Ihnen entwickeln wir eine für Sie passende Beschaffungsstrategie auf Basis Ihrer Anforderungen. Darüber hinaus verfügen wir über ein weites Netzwerk von Energielieferanten und können Sie gezielt dabei unterstützen, einen geeigneten Lieferanten für Ihr Unternehmen zu finden. Mit der richtigen Beschaffungsstrategie und einem zuverlässigen Energielieferanten können Sie auch in Zeiten von steigenden Energiepreisen und unsicheren Zukunftsszenarien Kosten kontrollieren und Risiken minimieren.

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Soforthilfe Dezember und Preisbremse Strom und Gas 2023

Das Bundeskabinett hat am 2. November auf Vorlage des Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministeriums einen Entwurf für das Soforthilfegesetz für Gas und Wärme auf den Weg gebracht. Neben Haushaltskunden sollen auch Unternehmen mit einem Jahresverbrauch bis zu 1,5 Mio. kWh im Monat Dezember 2022 spürbar bei den Gas- und Wärmepreisen entlastet werden. Mit der Soforthilfe Dezember soll ein Ausgleich für die gestiegenen Energierechnungen im Jahr 2022 geschaffen werden. Weiterhin soll die Maßnahme die Zeit bis zur geplanten Einführung der Gaspreisbremse im Frühjahr überbrücken.

Damit folgt die Bundesregierung einer Empfehlung der eingesetzten ExpertInnen-Kommission Gas und Wärme. Die gemeinsame Arbeitsgruppe des Bundeskanzleramts, des Bundesfinanzministeriums und des Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministeriums fungiert unabhängig und arbeitet intensiv an weiteren Entlastungsmaßnahmen. Konkret auch an der Gas- und Strompreisbremse, die in Kürze mit einem Gesetzesentwurf verabschiedet werden sollen.

Soforthilfe Dezember

Für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), die weniger als 1.500 Megawattstunden Gas im Jahr verbrauchen und über sogenannte Standardlastprofile (SLP) abgerechnet werden, entfallen die Abschlagszahlungen im Dezember. Der Dezember-Abschlag wird somit als Soforthilfe vom Bund übernommen.

Für die Jahresendabrechnung heißt das Folgendes: Die Entlastung wird auf Grundlage von einem Zwölftel des Jahresverbrauchs, den der Lieferant für die Entnahmestelle im September 2022 prognostiziert hatte, sowie des Gaspreises vom Dezember errechnet. Um diese Entlastungsmaßnahme zu finanzieren, haben die Energielieferanten und Wärmeversorgungsunternehmen ihrerseits einen Erstattungs- oder einen Vorauszahlungsanspruch gegen die Bundesrepublik Deutschland.

Ausnahme: Unternehmen mit registrierender Leistungsmessung aber weniger als 1,5 GWh Erdgasverbrauch müssen sich für eine Erstattung bis zum 31.12.2022 aktiv an ihren Energieversorger wenden.

Den vollständigen Gesetzentwurf für die Soforthilfe Dezember finden Sie hier.

Preisbremsen für Strom und Gas kommen 2023

Neben der Soforthilfe Dezember sollen Unternehmen in 2023 mit Preisbremsen für Gas und Strom spürbar von den stark gestiegenen Kosten entlastet werden. Ziel der Maßnahmen ist es, die Energiekosten bezahlbar zu halten und zeitgleich eine sichere Gasversorgung zu gewährleisten. Unternehmen sollen in dem Zuge eine Basisversorgung zu günstigeren Preisen nutzen können. Um die Motivation zum Energiesparen weiter anzuhalten, soll ab einem gewissen Verbrauch der Marktpreis greifen.

Gaspreisbremse: Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit einem Jahresgasverbrauch unter 1,5 Millionen Kilowattstunden soll der Gaspreis von spätestens März 2023 bis April 2024 bei 12 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt werden. Darüber hinaus wird die rückwirkende Geltung zum 1. Februar angestrebt.

Eine befristete Gaspreisbremse soll ab Januar 2023 ebenfalls der von den hohen Preisen betroffenen Industrie dabei helfen, Produktion und Beschäftigung zu sichern. Der Preis für die Kilowattstunde wird hier auf 7 Cent gedeckelt. Dies gilt sowohl für die Wärmegewinnung in der Produktion als auch für die Nutzung von Gas als Rohstoff für die Produktion, etwa weiterer chemischer und nicht chemischer Güter. Je nach individueller Voraussetzung des Unternehmens – wie z.B. der Energieintensität – wird dabei die Bundesregierung die Spielräume umfassend nutzen, die das europäische Beihilferecht bietet. Bis zu einem Gegenwert des vergünstigten Gaspreises von zwei Millionen Euro im gesamten Zeitraum je Unternehmen gelten dabei keine Einschränkungen („de minimis“).

Strompreisbremse: Soll bereits ab Januar 2023 dazu beitragen, dass die Stromkosten insgesamt sinken. Der Strompreis für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wird bei 40 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt. Dies gilt für den Basisbedarf von 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs. Für Industriekunden liegt der Deckel bei 13 Cent für 70 Prozent des historischen Verbrauchs. Darüber hinaus wird dafür Sorge getragen, dass die Netzentgelte im Jahr 2023 nicht steigen werden. Zur Finanzierung der Entlastungen im Strombereich werden befristet Zufallsgewinne bei der Stromerzeugung sowie bei Gas-, Öl- und Kohleunternehmen sowie Raffinerien abgeschöpft.

Wir halten Sie hinsichtlich der zu erwartenden Konkretisierungen selbstverständlich auf dem Laufenden!

Härtefallregelung für kleine und mittlere Unternehmen

Für kleine und mittlere Unternehmen, die trotz Strom- und Gaspreisbremse mit den stark gestiegenen Strom- und Gaspreissteigerungen zu kämpfen haben, wollen Bund und Länder eine gesonderte Vereinbarung treffen. Der Bund erklärt seine Bereitschaft, für eine solche Härtefallregelung für KMU über den WSF eine Milliarde Euro zur Verfügung zu stellen, wenn Antragstellung und Abwicklung der Härtefallregelung für KMU über die Länder erfolgt. Entsprechend soll bis zum 1. Dezember 2022 ein Vorschlag für eine solche Härtefallregelung vorgelegt werden.

Förderungen für Unternehmen

Auch wenn die Staatshilfen des Bundes vorerst für eine finanzielle Entlastung sorgen, müssen Unternehmen langfristig agieren und umdenken. Nur wer den Energiebedarf dauerhaft senken kann, hält seine Energiekosten nachhaltig im Rahmen. Energie einsparen, z. B. durch zeitlich befristetes Abschalten der Beleuchtung, kann eine kurzfristige Überbrückung sein. Effizienter und nachhaltiger wäre jedoch ein Austausch der Beleuchtungstechnik durch eine effizientere Technologie.

Die Bundesregierung unterstützt Unternehmen bei Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz mit Förderprogrammen. Das Programm Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft des BAFA fördert Maßnahmen zur energetischen und ressourcenorientierten Optimierung von Anlagen und Prozessen. Unter förderfähige Techniken fallen u. a. Prozesswärme, Abwärmenutzung, Querschnittstechnologien sowie Prozess- und Produktionsanlagen.

Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) werden Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien im Gebäudesektor unterstützt. Im Zusammenschluss von KfW und BAFA fördert das Programm die Sanierung und den Neubau von Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden sowie Einzelmaßnahmen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen. Hier werden Maßnahmen im Bereich Heizung, Beleuchtung, Klimaanlagen und allgemeiner Gebäudesanierung finanziell unterstützt.

Jetzt Fördermittelberatung einholen

Als unabhängiger Energie- und Fördermittelberater unterstützen wir Ihr Unternehmen bei der Beratung und Beschaffung von Fördermitteln. Gerne prüfen wir für Sie, welche Förderprogramme für Ihre Investitionen infrage kommen und begleiten Sie bei der gesamten Abwicklung des Förderprojektes. Kontaktieren Sie uns schnell und einfach online oder telefonisch.

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Das neue Energieeffizienzgesetz der Bundesregierung kommt

Die Bundesregierung setzt mit einem Entwurf eines neuen Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) ambitionierte Ziele, um den Energieverbrauch in Deutschland deutlich und dauerhaft zu senken. Darin enthalten sind auch konkrete Vorgaben für Energieeffizienzziele für 2030, 2040 und 2045. Bis 2030 verspricht das Gesetz Einsparungen von mindestens 500 TWh, wobei die Energieeffizienzziele sowohl für die Primär- als auch für die Endenergie gelten. Das entspricht einer Reduzierung um rund 15 Prozent.

Darüber hinaus soll das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) die bisherigen Pflichten aus dem Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G) ersetzen. Was zur Folge hat, dass das EDL-G entsprechend aufgehoben werden soll.

Was bedeutet die Einführung des neuen Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) für Unternehmen?

1. Einführung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen und Energieaudits werden verpflichtend

Unternehmen mit einem Energieverbrauch von mehr als 10 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr sollen künftig verpflichtet werden, Energie- oder Umweltmanagementsysteme einzuführen sowie entsprechende Energieeffizienzmaßnahmen, die als wirtschaftlich sinnvoll erachtet werden, umzusetzen. Kleinere Unternehmen mit einem Energieverbrauch von mehr als 2,5 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr müssen Energieaudits einführen. Jedoch sind für diese Unternehmen die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen nicht verpflichtend vorgesehen.

2. Vermeidung und Verwendung von Abwärme wird reguliert

Weiterhin sollen Unternehmen verpflichtet werden, Abwärme in Produktionsprozessen entweder zu vermeiden oder selbst zu nutzen, sofern dies wirtschaftlich sinnvoll ist. Sofern die Vermeidung oder Eigennutzung nicht möglich ist, sollen Betreiber von Fernwärmenetzen informiert werden, da sie die Energie zur Beheizung von Wohnungen nutzen können.

Rechenzentren sollen dem Beispiel folgen und zukünftig bis zu 40 Prozent ihrer Abwärme nutzen, die im laufenden Betrieb von Servern erzeugt wird. Größere Rechenzentren  werden verpflichtet, Energiemanagementsysteme einzuführen, zu validieren und zu zertifizieren, sofern sie im Besitz der öffentlichen Hand sind.

Wann tritt das neue Energieeffizienzgesetz in Kraft?

Ein Gesetzesentwurf liegt bereits seit Juni 2022 vor und soll laut vorläufigen Zeitplan im Dezember 2022 in Kraft treten. Zeitgleich wird in Brüssel die EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED) der Europäischen Kommission verhandelt, welche die Reduzierung des Energieverbrauchs auf EU-Ebene regelt. Die EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED) kann unter Umständen noch Einfluss auf den Gesetzesentwurf nehmen und die Einführung verzögern. Im Zuge eines konkreten Inkrafttretens des Energieeffizienzgesetz (EnEfG) werden wir Sie entsprechend informieren und Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Nutzen Sie die Pflicht als Chance für Ihr Unternehmen

Das neue Energieeffizienzgesetz geht mit vielen Verpflichtungen für Unternehmen einher und kann zu hohen Investitionen führen. Zeitgleich können Sie als Unternehmen finanzielle Hilfen des Bundes in Anspruch nehmen, um der Verpflichtung zur Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen nachzukommen. Das Programm Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft des BAFA fördert Maßnahmen zur energetischen und ressourcenorientierten Optimierung von Anlagen und Prozessen. Auch werden Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien im Gebäudesektor mit einem Förderprogramm unterstützt.

Als unabhängiger Energie- und Fördermittelberater unterstützen wir Ihr Unternehmen bei der Umsetzung gesetzlicher Anforderungen, der Beratung sowie Beschaffung von Fördermitteln und der Einführung von Energiemanagementsystemen oder der Umsetzung eines Energieaudits. Kontaktieren Sie uns schnell und einfach online oder telefonisch.

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Neue Energiesparverordnung (EnSimiMaV) kommt am 1. Oktober 2022

Aufgrund der angespannten Lage auf den Energiemärkten hat die Bundesregierung eine weitere Energiesparverordnung erlassen, die bereits am 01.10.2022 in Kraft treten wird. Die „Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über mittelfristig wirksame Maßnahmen“ – kurz EnSimiMaV – soll mit gezielten Energiesparmaßnahmen sicherstellen, dass die Versorgungssicherheit in Deutschland auch im Falle weiterer Einschränkungen von Gaslieferungen gewährleistet bleibt. Besonders relevant ist die Verordnung für Eigentümer von Gebäuden sowie Unternehmen, die zur Durchführung eines Energieaudits nach § 8 EDL-G verpflichtet sind bzw. diese Pflicht durch ein zertifiziertes Energie- oder Umweltmanagementsystem nach ISO 50001 oder EMAS erfüllen und die einen jährlichen Gesamtenergieverbrauch bezogen auf die letzten drei Jahre von mehr als 10 GWh haben. Die neue Energiesparverordnung EnSimiMaV hat eine Geltungsdauer von zwei Jahren.

Neue Pflichten für Unternehmen

Für Unternehmen ist besonders der § 4 der EnSimiMaV relevant. Er verpflichtet Unternehmen mit Energieauditpflicht bzw. Unternehmen, die über ein Energie- oder Umweltmanagement verfügen, wirtschaftliche Energieeffizienzmaßnahmen umzusetzen.

Konkret bedeutet das für die betroffenen Unternehmen folgende Regelungen:

  • Zunächst sind alle wesentlichen Energieeffizienzmaßnahmen aus den Energieaudits nach § 8 EDL-G sowie im Rahmen eines Energie- oder Umweltmanagementsystemen nach § 8 (3) 1, 2 EDL-G konkret zu identifizierten.
  • Daraufhin folgt eine Bewertung und Prüfung der wirtschaftlichen Durchführbarkeit der einzelnen Energieeffizienzmaßnahmen nach Maßgabe der EnSimiMaV. Eine Maßnahme gilt als wirtschaftlich durchführbar, wenn sich bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Maßnahme nach DIN 17463:2021-12, nach maximal 20 Prozent der Nutzungsdauer ein positiver Kapitalwert ergibt, jedoch begrenzt auf einen Bewertungszeitraum von maximal 15 Jahren.
  • Alle als wirtschaftlich durchführbar bewerteten Maßnahmen, die zur Verbesserung der Energieeffizienz in ihrem Unternehmen beitragen, sind unverzüglich oder spätestens innerhalb von 18 Monaten ab dem 1. Oktober 2022 umzusetzen.
  • Es besteht die Pflicht, die Umsetzung wirtschaftlich durchführbarer bzw. die Nichtumsetzung wirtschaftlich nicht durchführbarer Maßnahmen, durch Zertifizierer, Umweltgutachter oder Energieauditoren bestätigen zu lassen.

Unternehmen, die zur Umsetzung der Energieauditpflicht ein zertifiziertes Energie- oder Umweltmanagementsystem nach ISO 50001 oder EMAS haben, sehen sich damit höheren Anforderungen ausgesetzt, im Rahmen von Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudits eine fundierte Identifizierung und Berechnung von Energieeffizienzmaßnahmen vorzulegen.

Neue Pflichten für Gebäudeeigentümer

Daneben enthält die neue Energiesparverordnung (EnSimiMaV) weitere Pflichten für Gebäudeeigentümer. §§ 2 und 3 der EnSimiMaV enthält die Pflicht, Heizungsanlagen und Heizsystemen zu prüfen bzw. Maßnahmen zur Optimierung einzuleiten. Insbesondere geht es dabei u.a. die Effizienz von Heizungssteuerung, der Heizungspumpen, der Dämmung von Rohrleitungen und Armaturen zu prüfen sowie die Notwendigkeit eines hydraulischen Abgleichs von Heizsystemen. Für Eigentümer großer Gebäude mit zentraler Wärmeversorgung ist der hydraulische Abgleich verpflichtend.

Die komplette EnSimiMaV, die zum 1. Oktober in Kraft tritt und für 24 Monate gültig ist, finden Sie hier.

Jetzt schnell handeln

Mit unserem 360 Grad Ansatz können wir Sie vollumfänglich bei Umsetzung der Pflichten, die sich aus der Energiesparverordnung (EnSimiMaV) ergeben, unterstützen. Gerne prüfen wir mit Ihnen gemeinsam, ob Ihr Unternehmen betroffen ist und welche Regelungen und Anforderungen auf Sie zukommen. Auch bei der Identifizierung und Bewertung von Einsparungen aus Energieeffizienzmaßnahmen zur Umsetzung der EnSimiMaV im Rahmen von Energieaudits oder einem zertifizierten Umwelt- oder Energiemanagementsystem stehen wir Ihnen gerne zur Seite. Kontaktieren Sie uns schnell und einfach online oder telefonisch.

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Das dritte Entlastungspaket der Bundesregierung: Die geplanten Änderungen im Überblick

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges hat die Bundesregierung am vergangenen Wochenende eine Reihe von Entlastungen beschlossen. Das dritte Entlastungspaket ist eine wichtige Antwort auf die Energiekrise, in der sich Deutschland derzeit befindet. Die Maßnahmen sollen insbesondere die hohen Preissteigerungen auf den Energiemärkten für Unternehmen und Bevölkerung abmildern.

Im folgenden Artikel haben wir die geplanten Maßnahmen des dritten Entlastungspakets für den Energiesektor gesammelt und zusammengefasst.

1. Europäische Maßnahmen

Es werden kurzfristige Notfallmaßnahmen auf europäischer Ebene diskutiert, um die allgemeinen Schieflagen im europäischen Strommarkt zu korrigieren. Preise sollen gedämpft werden, um Verbraucherinnen und Verbraucher vor zu hohen Energiepreisen zu schützen. Die derzeit in der EU diskutierten Instrumente sollen europaweit zur Senkung der Energiepreise beitragen. Sie umfassen konkrete Maßnahmen zur europaweiten Einsparung von Gas und Strom in der Industrie sowie in Privathaushalten.

a. Abschöpfung von „Zufallsgewinnen“ von Energieunternehmen

Unternehmensgewinne bzw. deren Steigerungen, die aus den aktuell hohen Erlöspreisen für Strom stammen, sollen in Teilen abgeschöpft werden. Nach dem europäischen Strommarktdesign („Merit Order“) wird der Strompreis daran gemessen, welches Kraftwerk für die aktuelle Stromerzeugung am teuersten ist. Aktuell sind das die Gaskraftwerke, jedoch ändern sich die Produktionskosten für die meisten Stromproduzenten nicht, wie etwa die Erneuerbaren, Kohle- oder Atomstrom. Deren Produktionskosten liegen deutlich unterhalb des Marktpreises, sodass hier derzeit enorme Gewinne entstehen. Durch die teilweise Abschöpfung von Zufallsgewinnen entstehen finanzielle Spielräume, die gezielt für Entlastungen genutzt werden sollen.

b. Preisdeckel für verschiedene Erzeugungsarten / Erlösobergrenze

Dazu wird für die verschiedenen Erzeugungsarten (Kohle, Erneuerbaren, etc.) eine Höchstgrenze für Erlöse aus Stromverkäufen am Spotmarkt festgesetzt. Dies gilt insbesondere für Anlagen der Stromerzeugung mit geringer Kostenbasis. Die Differenz zwischen Großhandelspreis und Erlösobergrenze wird an den Verteilnetzbetreiber abgeführt. Damit werden Zufallsgewinne begrenzt und damit die Strompreisbremse finanziert (s. nächster Punkt).

2. Strompreisbremse für Basisverbrauch

Mit Einführung der Erlösobergrenze wird aus deren Einnahmen eine Strompreisbremse für den Basisverbrauch finanziert. Sowohl Privathaushalte als auch kleine und mittelständische Unternehmen mit Versorgertarif werden mit dieser Maßnahme spürbar entlastet – eine gewisse Menge Strom soll zu einem vergünstigten Tarif gutgeschrieben (Basisverbrauch) werden.

3. Dämpfung der Netzentgelte-Anstiege

Auch die sog. Redispatch-Kosten steigen aufgrund der hohen Gaspreise. Redispatch-Kosten werden über die Netzentgelte auf den Strompreis umgelegt und Verbraucherinnen und Verbraucher werden am Ende zusätzlich belastet. Die steigenden Redispatch-Kosten werden zu stark steigenden Übertragungsnetzentgelten führen, die ab dem 1. Januar 2023 greifen würden.

Um die angekündigte Steigerung der Übertragungsnetzentgelte durch die Redispatch-Kosten zu verhindern, werden die Stromnetzentgelte aus den abgeschöpften Strommarkt-Zufallseinnahmen bezuschusst.

4. Verschiebung der CO₂-Preiserhöhung

Angesichts der stark gestiegenen Energiepreise wird die für den 1. Januar 2023 anstehende Erhöhung des CO₂-Preises um fünf Euro pro Tonne im Brennstoffemissionshandel um ein Jahr auf den 1. Januar 2024 verschoben. Entsprechend verschieben sich auch die bisher geplanten Folgemaßnahmen für 2024 und 2025 um ein Jahr.

5. Unternehmenshilfen

Besonders viele Unternehmen leiden unter den hohen Energiekosten und benötigen weiterhin Entlastungen. Entsprechend wird ein Förderprogramm für energieintensive Unternehmen aufgesetzt, die die Preissteigerungen nicht weitergeben können. Des Weiteren sollen Unternehmen bei Investitionen in Effizienz- und Substitutionsmaßnahmen unterstützt werden.

Das Energiekostendämfungsprogramm zur Entlastung von besonders energie- und handelsintensiven Unternehmen wird bis Ende 2022 verlängert und für weitere Branchen zugänglich gemacht.

Das Margining-Finanzierungsinstrument zur Sicherung der Liquidität von Unternehmen, die an den Terminbörsen mit Strom, Erdgas oder Emissionszertifikaten handeln, wird ebenfalls verlängert.

Auch der sogenannte Spitzenausgleich bei den Strom- und Energiesteuern wird um ein weiteres Jahr verlängert. Damit werden rund 9.000 energieintensive Unternehmen entlastet. Zeitgleich sollen Unternehmen, die von diesem Spitzenausgleich profitieren, Maßnahmen zur Energieeinsparung umsetzen.

6. Zivilrechtliche Begleitmaßnahmen

Nicht alle Unternehmen können sich zeitnah an die hohen Energiepreise anpassen. Wenn Unternehmen trotz Inanspruchnahme aller Unterstützungsleistungen sowie vertraglichen Finanzierungsmöglichkeiten in der aktuellen Situation ihre Kosten nicht begleichen können, sollen Sperrungen von Strom und Gas durch Abwendungsvereinbarungen verhindert werden. Entsprechend soll das Energierecht angepasst werden.

Unternehmen, die langfristig unter den geänderten Rahmenbedingungen überlebensfähig sind, sollten auch ihre Geschäftsmodelle anpassen können. Daher wird für Erleichterungen bei der Insolvenzantragspflicht gesorgt.

7. Absenkung der Umsatzsteuer auf Gas

Als Ausgleich für die neue Gasbeschaffungsumlage wird zeitgleich die Umsatzsteuer auf den gesamten Gasverbrauch reduziert. Der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent soll ab dem 1. Oktober 2022 in Kraft treten und wird zeitlich bis Ende März 2024 befristet.

Eine Übersicht aller Maßnahmen des dritten Entlastungspakets für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen finden Sie hier.

Ausblick auf den Energiemarkt

Wenn mehr Alternativen zu russischem Gas zur Verfügung stehen, wird sich die Lage auf den Energiemärkten mittel- und langfristig wieder entspannen. Die Bundesregierung plant einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien (insbesondere Wind- und Sonnenenergie) und der dafür benötigten Stromnetze. Ebenso soll der Import von Flüssigerdgas durch den Bau neuer Terminals ermöglicht werden. Dennoch werden viele Unternehmen in den kommenden Monaten mit den Herausforderungen von gestiegenen Energiepreisen kämpfen.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, mit Energieressourcen schonend umzugehen und Energie einzusparen. Gerne helfen wir Ihnen dabei, Energiekosten und Beschaffungsstrategien zu optimieren. Kontaktieren Sie uns schnell und einfach online oder telefonisch.

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Die neue Gas-Sicherungsumlage kommt am 1. Oktober 2022 – Damit müssen Sie rechnen.

Um die Wärme- und Energieversorgung im kommenden Winter zu sichern, hat das Bundeskabinett Anfang August im schriftlichen Umlaufverfahren eine befristete Gas-Sicherungsumlage verabschiedet. Am 9. August 2022 ist die Verordnung der Bundesregierung nach § 26 des Energiesicherungsgesetzes über einen finanziellen Ausgleich durch eine saldierte Preisanpassung (Gaspreisanpassungsverordnung) in Kraft getreten. Nun ist auch die Höhe der Gas-Sicherungsumlage bekannt gegeben worden, diese beträgt 2,419 ct/kWh (24,19 EUR/MWh).

Die entsprechende Rechtsverordnung greift ab dem 1. Oktober 2022 und endet am 1. April 2024. Eine ausführliche FAQ Liste zur Rechtsverordnung finden Sie hier.

Ziel der Maßnahme ist es, Lieferausfälle in der Gasversorgung zu verhindern und so die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Weiterhin sollen die Marktmechanismen aufrechterhalten und Insolvenzen von Gashändlern und damit einhergehende Dominoeffekte in der Lieferkette der Energiewirtschaft verhindert werden. Die befristete Umlage soll durch weitere, zielgenaue Entlastungen und Hilfsprogramme wie das Energiekostendämpfungsprogramm (EKDP) begleitet werden.

Hintergrund zur Einführung der Gas-Sicherungsumlage

Russland hat mit dem Angriff auf die Ukraine eine schwere Energiekrise herbeigerufen und die Preise in die Höhe getrieben. Durch die Lieferkürzungen Russlands fallen bisher vertraglich zugesicherte Gaslieferungen weg. Weshalb betroffene Gasimporteure ihre Lieferpflichten gegenüber den Energieversorgern (wie Stadtwerken) nur noch mit zusätzlichen Neueinkäufen erfüllen können – das aber zu wesentlich höheren Kosten. Zeitgleich fehlen den Gasimporteuren aber zunehmend die Mittel für diese Ersatzbeschaffung, weil sie aufgrund von vertraglichen Regeln die höheren Preise zum jetzigen Zeitpunkt nicht an ihre Kunden weitergeben können. Hierdurch entstehen erhebliche Verluste für Gasimporteure. Wenn diese Verluste zu groß werden, drohen Ausfälle und im schlimmsten Fall Insolvenzen der relevanten Gasimporteure, die für das Funktionieren der Gasversorgung in Deutschland eine wichtige Rolle spielen. Das wiederum kann zu Lieferausfällen führen und die Gasversorgung gefährden. Um dies zu verhindern, greift die Bundesregierung in den Markt ein.

Hiernach haben die von einer erheblichen Reduzierung der Gesamtgasimportmengen unmittelbar betroffenen Gasimporteure Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich eines Teiles der Mehrkosten der Ersatzbeschaffungen, sofern die Gasbezugsverträge vor dem 1. Mai 2022 abgeschlossen worden sind.

Wie genau funktioniert die neue Gasumlage?

Bis Anfang Oktober tragen die betroffenen Gasimporteure weiterhin die hohen Kosten für die Ersatzbeschaffung vollständig allein. Ab dem 1. Oktober haben sie mit der beschlossenen Gaspreisanpassungsverordnung die Möglichkeit, für einen Großteil ihrer Ersatzbeschaffungskosten einen finanziellen Ausgleich zu erhalten. Den Ausgleich können die Gasimporteure bei dem Marktgebietsverantwortlichen, der Trading Hub Europe, beantragen. Konkret können sie dabei 90 Prozent der tatsächlichen Mehrbeschaffungskosten geltend machen, und das nur für Bestandsverträge. Ein Wirtschaftsprüfer oder andere in der Verordnung genannte Prüfer müssen die Richtigkeit testieren. Die Bundesnetzagentur begleitet als unabhängige Behörde das Verfahren.

Um den Ausgleich zu finanzieren, können die Kosten über die „saldierte Preisanpassung“, also eine Art Gasumlage, auf viele Schultern verteilt werden. Damit wird auch verhindert, dass es für einen Teil der Gaskunden – nämlich die, die mittelbar von jenen Gasimporteuren versorgt werden, die hohe Ersatzbeschaffungskosten haben, zu untragbaren Preissteigerungen und in der Wirtschaft zu Wettbewerbsverzerrungen kommt.

Optimieren Sie Ihre Beschaffungsstrategie.

Unerwartet hohe Energiekosten bergen Unsicherheiten und können für Unternehmen eine große Herausforderung bedeuten. Gerade in Zeiten von Energiekrisen und steigenden Energiepreisen ist es wichtig, mit einem gezielten Energieeinkauf Kosten zu reduzieren und Sicherheit zu gewinnen. Gerne entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen eine für Sie passende Beschaffungsstrategie. Kontaktieren Sie uns schnell und einfach online oder telefonisch.

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Verlängerung des Spitzenausgleichs bis 2024

Vor dem Hintergrund gestiegener Energiepreise angesichts des Ukraine-Konflikts verlängert das Bundesministerium der Finanzen (BMF) den Spitzenausgleich um weitere zwei Jahre und verlegt die gesetzliche Neuregelung vorerst. Damit sollen energieintensive Unternehmen weiterhin in einer zweijährigen „Interimsphase“ bei den Strom- und Brennstoffkosten entlastet werden.

Hintergrund zur Verlängerung des Spitzenausgleichs.

Den Spitzenausgleich bekommen energieintensive Betriebe seit langem. Im Jahr 2013 wurden die Bedingungen angepasst, sodass nur noch Unternehmen den Spitzenausgleich erhalten, die nachweislich ein Energiemanagementsystem betreiben. Mit dem Spitzenausgleich können sich Unternehmen einen Teil der jährlich gezahlten Energie- beziehungsweise Stromsteuern auf Brennstoffe und Strom vom Staat erstatten lassen. Weiterhin sieht das Stromsteuergesetz eine allgemeine Steuerentlastung in Form eines Steuerrabatts je Megawattstunde vor, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Beide Regelungen sollten Ende des Jahres auslaufen, werden nun aber aufgrund der Energiekrise für die Jahre 2023 und 2024 verlängert. Damit möchte das Bundesfinanzministerium Planungssicherheit und eine deutliche finanzielle Erleichterung für energieintensive Unternehmen schaffen.

Welche Entlastungen sind geplant?

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat in einer Pressekonferenz zum Haushaltsentwurf 2023 erklärt, dass die Entlastungen bereits mit knapp 2,9 Milliarden für den Spitzenausgleich abgebildet sind. Neben dem Spitzenausgleich und der er allgemeinen Steuerentlastung beim Energie- und Stromverbrauch ist für bestimmte Prozesse und Verfahren noch eine weitere Entlastung vorgesehen, wie etwa die Glas-, Beton- oder Zementherstellung oder die Produktion von Metallerzeugnissen. Damit sind insgesamt sind 4,3 Milliarden Euro im Jahr an steuerlichen Entlastungen für die energieintensive Industrie geplant.

Laut Finanzministerium profitieren vom Spitzenausgleich rund 9.000 Unternehmen, von der allgemeinen Energie-Steuerentlastung ca. 33.000, etwa in der chemischen Industrie, der Kunststoff- oder Metallerzeugung, der Glas- und Keramikproduktion oder der Automobilbranche. Neben der energieintensiven Industrie werden auch weniger energieintensive, aber produzierende Unternehmen entlastet.

Jetzt Spitzenausgleich beantragen.

Der zusammenfassende Antrag auf den Spitzenausgleich und die Steuerentlastung für produzierende Unternehmen muss bis zum 31.12.2022 gestellt werden. Wenn Ihr Unternehmen bereits im Vorjahr einen unterjährigen Antrag auf Spitzenausgleich nach § 10 Stromsteuergesetz (StromStG) und § 55 Energiesteuergesetz (EnergieStG) gestellt hat, muss nun wieder der zusammenfassende Antrag für das Kalenderjahr 2021 bei Ihrem Hauptzollamt gestellt werden. Dazu muss auch die Selbsterklärung „Staatliche Beihilfe“ eingereicht werden. Andernfalls kann es dazu führen, dass das Hauptzollamt eine Rückforderung erhebt. Weitere Informationen und das Merkblatt dazu finden Sie hier.

Haben Sie Fragen zum Thema Spitzenausgleich oder benötigen Unterstützung bei der Antragsstellung bei Rückerstattungen der Strom- oder Energiesteuer? Wir helfen Ihnen gerne weiter, kontaktieren Sie uns schnell und einfach online oder telefonisch.

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Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – Änderungen zum 15.08.2022