Mythen im Energieeinkauf

Mythen im Energieeinkauf: Mehr Klarheit für Ihre Beschaffung – Teil 4

Nach den ersten drei Teilen unserer Reihe wird eines deutlich. Viele Entscheidungen im Energieeinkauf werden nicht aus Mangel an Informationen getroffen, sondern aus Hoffnung, Vereinfachung oder falscher Sicherheit. Die letzten Mythen zeigen besonders klar, wie stark Erwartungen an die Zukunft den Blick auf die Gegenwart verzerren können.

Unternehmen warten auf alte Preisniveaus, verlassen sich auf eigene Erzeugung, unterschätzen den Einfluss kleiner Verbrauchsmengen oder sehen Nachhaltigkeit als reinen Kostenfaktor. All diese Annahmen wirken nachvollziehbar. In der Praxis führen sie jedoch häufig dazu, dass Chancen ungenutzt bleiben und Risiken unterschätzt werden.

Im vierten Teil unserer Serie Mythen im Energieeinkauf richten wir den Blick nach vorn. Wir zeigen, warum das Festhalten an vergangenen Marktbedingungen keine Strategie ist, weshalb Eigenversorgung keine Absicherung ersetzt und warum sowohl kleinere Verbräuche als auch Nachhaltigkeitsziele eine aktive und durchdachte Beschaffung erfordern.

EK360 Energieeinkauf -Mythos 13

Mythos 13: Preise auf Vorkrisenniveau

Die Vorstellung klingt verlockend: Einfach noch etwas Geduld haben, dann fallen die Energiepreise wieder auf das Niveau von 2020 oder früher. Doch diese Hoffnung ist kaum realistisch. Das Preisniveau vor der Energiekrise war das Ergebnis einer historischen Sondersituation – Überkapazitäten, niedrige CO₂-Kosten, stabile geopolitische Rahmenbedingungen. Diese Welt existiert nicht mehr. Heute bestimmen Dekarbonisierung, der Ausstieg aus Kohle und Kernkraft, volatile internationale Gaspreise, ein deutlich höheres CO₂-Preisniveau sowie die zunehmende Übereinspeisung erneuerbarer Energien in bestimmten Stunden den Markt.

Natürlich wird es auch in Zukunft günstige Marktphasen geben. Doch die Erwartung, dass ein dauerhaftes „Zurück“ möglich ist, führt dazu, dass Unternehmen Chancen verpassen. Wer auf ein Preisniveau wartet, das es so nicht mehr geben wird, sitzt am Ende untätig am Spielfeldrand, während andere rechtzeitig handeln und Wettbewerbsvorteile sichern.

Unser Tipp: Entscheidend ist nicht, ob die Preise irgendwann wieder so niedrig sind wie vor 2020, sondern wie man sich im neuen Marktumfeld klug  im Vergleich zu seinen Wettbewerbern positioniert. Warten ist keine Strategie, es ist eine Wette. Und auch nichts zu tun, ist eine aktive Entscheidung, die in einem volatilen Marktumfeld eigene Risiken mit sich bringt.

Unser Tipp:

Entscheidend ist nicht, ob die Preise irgendwann wieder so niedrig sind wie vor 2020, sondern wie man sich im neuen Marktumfeld klug  im Vergleich zu seinen Wettbewerbern positioniert. Warten ist keine Strategie, es ist eine Wette. Und auch nichts zu tun ist eine aktive Entscheidung, die in einem volatilen Marktumfeld eigene Risiken mit sich bringt.

EK360 Energieeinkauf -Mythos 14

Mythos 14: PV-Anlagen

Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien im Strommix verbinden viele die Hoffnung, dass Beschaffung bald überflüssig wird. Wenn PV und Wind den Markt dominieren, müssten doch die Preise dauerhaft niedrig und stabil sein, so die Annahme. Doch das Gegenteil ist der Fall: Erneuerbare Energien senken zwar in bestimmten Stunden die Preise, sie erhöhen aber auch die Volatilität. Wenn Sonne und Wind ausbleiben, schnellen die Preise nach oben. Speicherlösungen stehen erst am Anfang, Flexibilitäten im System sind begrenzt.

Auch Power Purchase Agreements (PPAs) werden oft als Wundermittel gesehen. Sie können langfristige Sicherheit bringen, doch sie ersetzen keine durchdachte Beschaffungsstrategie. Denn PPAs bringen eigene Risiken mit sich, von Profil- und Ausgleichskosten über regulatorische Unsicherheiten bis hin zu Liquiditätsanforderungen. „Grün“ ist nicht automatisch günstiger, manchmal sogar teurer, wenn die Bedingungen nicht passen.

Unser Tipp:

Erneuerbare Energien und PPAs sind ein wichtiges Puzzlestück, aber nicht die ganze Lösung. Eine intelligente Beschaffung integriert sie in eine Gesamtstrategie und gleicht Schwankungen durch Terminmarktprodukte und Restbeschaffung aus. Wer davon ausgeht, die Energiewende ersetze den strategischen Einkauf, übersieht elementare Herausforderungen.

EK360 Energieeinkauf -Mythos 15

Mythos 15: Geringer Verbrauch

Gerade Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von rund 500.000 kWh denken häufig, dass sich eine eigene Beschaffungsstrategie nicht rechnet. Der Gedanke scheint plausibel, doch auch in dieser Größenordnung können Fehlentscheidungen spürbare Kosten verursachen. Schon wenige Cent Unterschied pro kWh summieren sich im Jahresverlauf zu relevanten Beträgen, die Budgets belasten können.

Hinzu kommt: Kleinere Abnehmer sind besonders anfällig für Preisspitzen oder unflexible Vertragsbedingungen, da sie vermeintlich keine Marktmacht besitzen. In der Praxis gibt es jedoch standardisierte Produkte und Vertragsmodelle, die gerade für kleinere Verbraucher entwickelt wurden und durchaus Flexibilität erlauben, wenn man sie kennt und gezielt einsetzt. Entscheidend ist zudem, Zugriff auf eine ausreichend große Bandbreite von Energielieferanten zu haben, um wirkliche Vergleichbarkeit herzustellen und faire Marktbedingungen zu sichern.

Unsere Erfahrung zeigt:

Auch für 500.000 kWh lohnt es sich, klare Zeitfenster, einfache Triggerpunkte und nachvollziehbare Entscheidungsregeln festzulegen. Ebenso wichtig ist es, den Lieferantenmarkt aktiv zu sondieren, Angebote breit zu vergleichen und daraus fundierte Entscheidungen abzuleiten. So lassen sich Chancen nutzen, Risiken eingrenzen und unnötige Kosten vermeiden. Wer glaubt, mit geringem Verbrauch keine Gestaltungsmöglichkeiten zu haben, der verschenkt Potenzial.

EK360 Energieeinkauf -Mythos 16

Mythos 16: Nachhaltigkeit

Viele Unternehmen betrachten Nachhaltigkeit und Kostenkontrolle noch immer als Gegensätze. Grüner Strom sei teurer, CO₂-Reduktion ein Kostenfaktor, so die verbreitete Meinung. Doch das stimmt längst nicht mehr in dieser Absolutheit. Herkunftsnachweise sind günstig zu haben, PPAs können je nach Marktphase preislich attraktiv sein und Eigenanlagen wie PV schaffen langfristige Stabilität zu berechenbaren Kosten.

Natürlich gibt es Situationen, in denen Nachhaltigkeit höhere Kosten bedeutet, etwa bei ambitionierten 24/7-Ansätzen oder strengem Standort-Matching. Doch nicht zu handeln ist ebenfalls teuer: CO₂-Kosten steigen, regulatorische Pflichten verschärfen sich, Kunden fordern Nachweise, Banken preisen Nachhaltigkeit in die Finanzierung ein.

Ein Beispiel: Bei einem CO₂-Preis von 80 € pro Tonne und einem Stromverbrauch von 1.000 MWh aus fossilen Erzeugungsquellen können schnell Mehrkosten von 40.000 € – 90.000 € pro Jahr entstehen, ein Betrag, der aber nur indirekt auf der Energierechnung sichtbar wird. Wer hier hinterherläuft, zahlt am Ende doppelt, durch höhere Energiekosten und verpasste Geschäftschancen.

Unsere Erfahrung zeigt:

Nachhaltigkeit ist kein Widerspruch zur Wirtschaftlichkeit, sondern zunehmend deren Voraussetzung. Die Frage ist nicht mehr, ob man sich nachhaltige Beschaffung leisten kann, sondern ob man es sich leisten kann, sie nicht anzugehen.

Fazit Mythen im Energieeinkauf

Die Mythen dieser Reihe zeigen in ihrer Gesamtheit, wie komplex der Energieeinkauf geworden ist und wie trügerisch einfache Antworten sein können. Weder das Warten auf bessere Zeiten noch das Festhalten an vertrauten Modellen schützt vor steigenden Kosten oder volatilen Märkten. Sicherheit entsteht nicht durch Stillstand, sondern durch Verständnis, Struktur und aktive Steuerung.

Erfolgreiche Energiebeschaffung bedeutet heute, das eigene Marktumfeld realistisch einzuordnen, unterschiedliche Instrumente sinnvoll zu kombinieren und Entscheidungen regelmäßig zu überprüfen. Dabei spielen Verbrauchsgröße, Risikobereitschaft, Nachhaltigkeitsziele und Marktkenntnis gleichermaßen eine Rolle.

Unternehmen, die bereit sind, ihre Annahmen zu hinterfragen und ihre Beschaffung strategisch weiterzuentwickeln, verschaffen sich langfristig Stabilität und Wettbewerbsvorteile. Genau darin liegt der Kern dieser Serie. Nicht einzelne Mythen zu widerlegen, sondern den Blick für eine professionelle, zukunftsfähige Energiebeschaffung zu schärfen.

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