Mythen im Energieeinkauf

Mythen Energieeinkauf: Mehr Klarheit für Ihre Beschaffung – Teil 3

Im Energieeinkauf gibt es Entscheidungen, die auf den ersten Blick logisch wirken und sich dennoch als riskant erweisen. Besonders dann, wenn es um Vertragsmodelle, Beschaffungszeitpunkte oder die Auswahl von Lieferanten geht, greifen viele Unternehmen auf vertraute Denkmuster zurück. Diese vermitteln Sicherheit, reduzieren scheinbar Komplexität und erleichtern interne Entscheidungen.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass genau diese Annahmen häufig zu einseitigen Strategien führen. Tranchenmodelle werden vorschnell als teuer oder spekulativ eingestuft. Regionale Anbieter gelten als automatisch besser. Der Spotmarkt wird als dauerhaft günstige Lösung gesehen. Dabei bleiben wichtige Zusammenhänge und Risiken oft unberücksichtigt.

In diesem dritten Teil unserer Reihe Mythen im Energieeinkauf greifen wir vier weitere Überzeugungen auf, die den Blick auf eine ausgewogene Beschaffungsstrategie verstellen können. Wir zeigen, warum es sich lohnt, genauer hinzuschauen, und welche Rolle Risikostreuung, Marktvergleich und eine realistische Einschätzung der eigenen Flexibilität spielen.

EK360 Energieeinkauf - Mythos 9

Mythos 9: Tranchen-Modell

Viele Unternehmen vermuten, dass ein Tranchen-Vertrag automatisch teurer ist, weil der Lieferant angeblich eine höhere Marge einkalkuliert. Doch das stimmt in der Praxis nicht unbedingt.

Schauen wir uns ein einfaches Beispiel an: Ein Unternehmen, das seinen kompletten Bedarf in einem einzigen Festpreisvertrag für drei Jahre einkauft, trägt das volle Risiko, wenn die Preise zwischenzeitlich deutlich sinken. Wer dagegen schrittweise einkauft, also in Tranchen, verteilt sein Risiko und gleicht Preisschwankungen aus.

Bei unseren Vergleichen zeigt sich regelmäßig: Die Gesamtkosten liegen in vielen Fällen gleichauf oder sogar günstiger als beim klassischen Festpreis. Denn was zählt, ist die Marktphase, in der Sie absichern, nicht das Vertragsmodell allein.

Unser Tipp:

Sammeln und vergleichen Sie Festpreis- und Tranche-Angebote nebeneinander. Nur so erhalten Sie Transparenz und können klar erkennen, welche Lösung in Ihrer Situation den besten Mix aus Sicherheit und Flexibilität bietet.

EK360 Energieeinkauf -Mythos 10

Mythos 10: Tranchen-Modell

Viele Unternehmen lehnen den tranchenweisen Energieeinkauf ab, mit dem Argument: „Wir wollen nicht spekulieren.“ Klingt vernünftig, ist aber ein Missverständnis. Denn genau das Gegenteil ist der Fall: Wer alles auf einen Termin setzt, betreibt am Ende die größte Spekulation.

Warum? Der gesamte Bedarf wird an einem einzigen Tag zum dann gültigen Marktpreis eingekauft. Fällt dieser Tag zufällig in eine Hochpreisphase, zahlt das Unternehmen über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg drauf. Das Tranchenmodell verteilt den Einkauf dagegen auf mehrere Zeitpunkte. So werden Marktschwankungen geglättet und das Risiko, „den falschen Tag“ zu erwischen, deutlich reduziert. Statt Spekulation bedeutet Tranchenkauf also: Risikostreuung und Preissicherheit.

Natürlich: Es kann vorkommen, dass die Preise nach dem ersten Kauf fallen und man im Nachhinein denkt, man hätte warten sollen. Doch genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen Spekulation und Strategie. Ziel ist nicht, den „perfekten Zeitpunkt“ zu erwischen, sondern die Marktrisiken kontrollierbar zu machen.

Unser Tipp:

Prüfen Sie, ob ein tranchenweises Vorgehen zu Ihrem Verbrauchsprofil und Risikoverständnis passt. Oft lassen sich so über die Jahre stabilere und planbarere Energiekosten erreichen, ohne Glaskugel und ohne Zockerei.

EK360 Energieeinkauf -Mythos 11

Mythos 11: Ortsbonus

Viele Unternehmen setzen bei der Energiebeschaffung ausschließlich auf regionale Versorger. Begründung: „Wir sind hier verwurzelt, also kaufen wir auch hier.“ Auf den ersten Blick klingt das nachvollziehbar. Doch bei Energie zählt nicht der Standort des Anbieters, sondern die Qualität des Produkts, die Konditionen und die Beschaffungsstrategie.

Denn: Strom und Gas sind im Netz nicht regional unterscheidbar, die Kilowattstunde aus Hamburg ist identisch mit der aus München. Entscheidend ist vielmehr, zu welchen Bedingungen sie beschafft wurde. Ein lokaler Anbieter hat hier keine magischen Vorteile. Im Gegenteil: Wer den Markt nicht überregional vergleicht, riskiert, attraktive Preis- und Strukturangebote anderer Anbieter zu verpassen.

Und noch ein Punkt: Über die Netzentgelte stützen Sie immer die regionale Infrastruktur und damit auch lokale Anbieter, ganz egal, bei welchem Lieferanten Sie den Vertrag abschließen. Regionalität ist also ohnehin Teil jeder Energierechnung. Natürlich kann es gute Gründe geben, die lokale Wirtschaft zusätzlich zu unterstützen oder langjährige Partnerschaften zu pflegen. Doch wirtschaftlich sinnvoll ist das nur, wenn auch die Rahmenbedingungen passen. Vertrauen ist gut, aber Transparenz und Wettbewerb sind besser.

Unser Tipp:

Prüfen Sie lokale Angebote immer im Vergleich mit überregionalen Alternativen. Nur so stellen Sie sicher, dass Sie nicht aus Loyalität mehr bezahlen, als nötig wäre.

EK360 Energieeinkauf -Mythos 12

Mythos 12: Spotmarkt

Viele Unternehmen setzen in ihrer Energiebeschaffung stark auf den Spotmarkt, weil sie glauben, dort dauerhaft die günstigsten Preise zu erzielen. Gerade in Zeiten hoher Auslastung oder saisonaler Verbrauchsspitzen wirkt dieser Ansatz attraktiv. In Phasen hoher Einspeisung erneuerbarer Energien kann das tatsächlich stimmen – doch diese Sicht ist gefährlich verkürzt.

Denn Spotmarktpreise reagieren auf jedes kleine Signal: Wetterumschwünge, geopolitische Spannungen, Kraftwerksausfälle oder Schwankungen bei LNG-Lieferungen können die Preise innerhalb weniger Stunden explodieren lassen. Wer ausschließlich auf den Spot vertraut, gibt damit jede Planbarkeit auf und kauft maximale Unsicherheit ein.

Natürlich gibt es Unternehmen, für die der Spotmarkt hervorragend funktioniert: Wer seine Lasten verschieben kann, nicht auf fixe Produktionszeiten angewiesen ist oder bei Preisspitzen kurzfristig reagieren kann, profitiert tatsächlich. Doch wie viele Unternehmen erfüllen diese Bedingungen wirklich? In den meisten Fällen wird der Spielraum überschätzt, während die Risiken unterschätzt werden. Die ersten Monate des Jahres 2022 zu Beginn des Krieges in der Ukraine haben die Risiken dieser einseitigen Strategien für Unternehmen und Energieversorger sehr deutlich gemacht.

Unser Tipp:

Die Erfahrung zeigt, ein hybrider Ansatz bringt die größte Stabilität und wahrt Chancen. Terminmarktverträge sichern eine Grundlast ab, während Spotmengen Flexibilität ermöglichen. Ob dieser Mix tatsächlich sinnvoll ist, hängt jedoch stark vom individuellen Lastgang des Unternehmens ab: Ein Betrieb mit gleichmäßigem Verbrauch benötigt andere Anteile von Termin- und Spotmengen als ein Unternehmen mit stark schwankender Auslastung. Wer beides intelligent kombiniert und dabei die eigene Laststruktur berücksichtigt, profitiert von Chancen, ohne alles auf eine Karte zu setzen.

Fazit Mythen Energieeinkauf

Die vier Mythen in diesem Beitrag zeigen, wie schnell vereinfachte Annahmen zu einseitigen Beschaffungsentscheidungen führen können. Ob es um Tranchenmodelle, den Einsatz des Spotmarktes oder die Auswahl von Lieferanten geht, häufig stehen Sicherheitserwartungen im Vordergrund, die einer differenzierten Betrachtung nicht standhalten. Das Ergebnis sind Strategien, die entweder unnötige Risiken eingehen oder Chancen am Markt ungenutzt lassen.

Eine erfolgreiche Energiebeschaffung erfordert deshalb mehr als klare Meinungen oder feste Überzeugungen. Entscheidend ist ein Verständnis für Marktmechanismen, die eigene Risikotragfähigkeit und die realistischen Möglichkeiten des Unternehmens. Wer bereit ist, verschiedene Modelle zu prüfen, Angebote transparent zu vergleichen und Beschaffungsentscheidungen regelmäßig zu hinterfragen, schafft die Grundlage für stabile und planbare Energiekosten.

Unternehmen, die ihre Beschaffung strategisch denken und flexibel steuern, sind besser in der Lage, auf Marktbewegungen zu reagieren und ihre Kosten langfristig im Griff zu behalten. Genau darin liegt der Unterschied zwischen kurzfristiger Sicherheit und nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit.

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